Ralf Thurm: Neuer Nationaltrainer der Herren-Nationalmannschaft

Braille - Grafik/Design Element
ralf-thurm-neuer-nationaltrainer-der-herren-nationalmannschaft
10. Apr. 2017

“Torball muss noch professioneller werden!”

ralf_thurm.jpg

Ralf Thurm ist Nachfolger von Hans-Dieter Weidner in der Position des Cheftrainers für die Torballnationalmannschaft Herren. Blindentorball.de sprach mit Ralf Thurm über sein neues Aufgabengebiet, seine Philosophie von Torball und seine Ideen für die Zukunft. Hier das Portrait:

Die Trainerkarriere von Ralf Thurm begann 1999. Seinerzeit übernahm er die sportliche Leitung der Torballmannschaft der VSG Frankfurt und wechselte gemeinsam mit seinem Team 2014 zur TG Unterliederbach. In den vergangenen gut 17 Jahren führte er seine Vereinsmannschaft zu zahlreichen Erfolgen bei nationalen sowie internationalen Turnieren.

„Ich habe an den letzten Lehrgängen vor der Torball-WM (2015 in Magglingen) bereits teilnehmen dürfen und konnte dadurch erste Eindrücke sammeln.“ beschreibt Thurm seine ersten Kontakte zum Nationalteam und fügt hinzu: „Hans-Dieter Weidner hat zusammen mit seinem Co-Trainer, Josef Albanese, das Herrenteam zu einem WM-Titel (Innsbruck 2007) und einer Vize-Weltmeisterschaft (Magglingen 2015) geführt. Viel mehr geht eigentlich nicht. Da steht man als Nachfolger schon unter einem gewissen Erfolgsdruck. Gleichzeitig ist das aber für mich auch Ansporn, diese erfolgreiche Arbeit fortzuführen.“

Abwehrarbeit als Fundament für den Erfolg

Befragt zu seiner Torball-Philosophie stellt Thurm die Abwehr als wichtigste Komponente in den Vordergrund: „Die Abwehrleistung steht für mich an erster Stelle. Darauf kann man dann entsprechend den Angriff aufbauen. Gehst Du 1:0 in Führung muss der Gegner mehr Risiko gehen. Dann muss der Gegner kommen und macht Fehler. Diese müssen dann aber auch konsequent genutzt werden.“ und ergänzt schmunzelnd: „Um hier mal zwei Phrasen zu benutzen: Gewinne jedes Spiel 1:0 und Du bist Meister! Oder: Der Angriff gewinnt das Spiel; die Abwehr die Meisterschaft!“

Teamgedanke, Flexibilität und Jugendarbeit

Angesprochen auf die Schwerpunkte seiner Amtszeit und die Zukunft des Torballsports allgemein sieht Thurm viele Möglichkeiten in der Zusammenarbeit mit der Mannschaft und dem Trainerstab: „Hier werde ich, neben der Arbeit mit den Spielern selbst, maßgeblich von drei Personen unterstützt: meiner Co-Trainerin Ramona Ernst, dem Mannschaftskapitän David Georgi sowie nicht zuletzt dem neuen Team-Manager Hans-Dieter Weidner. Von meinen Spielern erwarte ich eine hohe Flexibilität auf dem Spielfeld. Jeder Spieler muss jede Position spielen können. Ebenso muss jeder Spieler für alle taktischen Varianten einsetzbar sein. Des Weiteren müssen die Spieler für neue Aufgaben und Spielsysteme offen sein und die Bereitschaft mitbringen sich in neue Spielideen einzufügen. Nicht zuletzt ist es mir wichtig, junge Spieler in die Mannschaft einzubauen. Hier wünsche ich mir von den aktuellen und erfahrenen Spielern, dass sie als eine Art Mentor für die jungen Spieler fungieren und diese bei ihrer Integration in das Team unterstützen. Die Zusammenarbeit mit meiner Co-Trainerin, Ramona Ernst, wird hauptsächlich darin bestehen, dass sie die individuelle Abwehrarbeit jedes einzelnen sowie den gesamten Abwehrverbund in den Fokus nimmt. Der Mannschaftskapitän, David Georgi, wird mein ‚verlängerter Arm‘ auf dem Spielfeld sein. Ramona, David und ich werden einen regelmäßigen und engen Austausch pflegen, um die Trainingsarbeit zu reflektieren sowie Trainingskonzepte weiter zu entwickeln. Ganz besonders freue ich mich auch auf die Zusammenarbeit mit Hans-Dieter Weidner. Er verfügt über einen riesigen Erfahrungsschatz und in seiner neuen Funktion als Team-Manager wird er mich in administrativen Aufgaben unterstützen, sowie die Schnittstelle zwischen den Nationalteams und dem DBS sein.“

Mehr Professionalität in der Zukunft

Auch für die weitere Entwicklung im Torballsport hat Ralf Thurm konkrete Vorstellungen: „Torball muss professioneller werden. Verkrustete Strukturen müssen aufgebrochen, neue Konzepte aufgestellt und umgesetzt werden. Graubereiche im Regelwerk müssen eindeutiger definiert werden. Es muss mehr Augenmerk auf die Ausbildung der Schiedsrichter gelegt werden. Die Zusammenarbeit zwischen den Vereinstrainern und dem Nationaltrainer muss intensiviert werden. International gesehen muss es das Ziel sein, den Torball in weiteren Ländern zu etablieren und regelmäßig internationale Titelkämpfe auszutragen. Hier muss in den anderen Nationen, in denen aktuell der Torball noch stiefmütterlich behandelt oder gar nicht angeboten wird, sehr viel Überzeugungsarbeit geleistet werden. Im Jugendbereich gibt es mit der ‚Deutschen Schulmeisterschaft‘ schon einen guten Ansatz, den Torballsport auch in Zukunft nachhaltig aufzustellen. Hier würde ich mir wünschen, dass eine enge Zusammenarbeit zwischen den Vereinen, den Schulen und dem Verband entsteht. Es muss das Ziel sein, Talente zu entdecken und Ihnen die Möglichkeit zu eröffnen in Vereine in der Nähe ihres Wohnortes zu wechseln bzw. nach der Schulzeit dort weiter Torball spielen zu können.“ sieht der neue Cheftrainer auch die Abteilung Torball im DBS, die Vereine, die Schulen sowie den DBS selbst in der Pflicht.

Mar-S

Video
zurück zur Übersicht