Ein Delphin im Torballtrikot

Dortmunder Torballerin schwimmt allen davon

Vom Schwimmsport zum Torball und vom Torball zum Para Schwimmen. So könnte die Kurzfassung der sportlichen Biographie von Janine Gallisch in wenigen Worten zusammengefasst werden. Das wird der ambitionierten Dortmunderin aber nicht annähernd gerecht. Also: begeben wir uns von der Kurz- auf die Langbahn.

Torball: Von Dortmund über Dortmund nach Dortmund zur Nationalmannschaft

 Ihre Torball-Karriere startete Janine Gallisch 2007 beim BSSV Dortmund, wechselte zwischenzeitlich zum Torball-Team des ISC Dortmund-Kirchderne, bevor sie wieder zum „Stadtrivalen“ BSSV ging, um anschließend erneut für Kirchderne torballerisch tätig zu sein. Aktuell geht Gallisch für die Integrationssportabteilung von Borussia Dortmund auf Punktejagt und ist seit wenigen Jahren Mitglied der Deutschen Torball-Nationalmannschaft.

„Ich genieße es Sport in einem Team betreiben zu können und mit meinen Mannschaftskolleginnen gemeinsam erfolgreich zu sein.“ Schildert Gallisch ihre Beweggründe, warum sie sich seinerzeit nach dem Ausbruch einer Augenerkrankung für den Torballsport entschieden hatte.

Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten. Nach mehreren Deutschen Vize-Meisterschaften mit dem BSSV Dortmund und dem ISC Dortmund-Kirchderne, gelang ihr mit ihren Teamkolleginnen von Borussia Dortmund 2017 und 2019 der große Wurf: der Gewinn der Deutschen Meisterschaft.

Aller (Wieder)Anfang ist schwer – Hohes Trainingspensum

Bereits im Alter von fünf Jahren hatte Janine die erste Begegnung mit ihrer zweiten sportlichen Leidenschaft: dem Schwimmen. Nachdem sie aufgrund einer Augenerkrankung mit 14 Jahren pausieren musste, kam sie 2016 wieder zurück in die Schwimmhalle. Der Delphin aus Dortmund tauschte nun regelmäßig das Torball-Trikot mit dem Badeanzug, musste jedoch feststellen, dass der erneute Start in die Schwimmkarriere durchaus beschwerlich war.

„Ich kann mich noch genau an meine ersten 25 Meter Kraul erinnern. Das war grausam. Ich dachte, ich gehe kaputt.“ Blickt Gallisch schmunzelnd auf ihren Wiedereinstieg in das Schwimmbecken zurück und ergänzt sofort: „Mit jeder Trainingseinheit wurden Technik, Kraft und Ausdauer immer besser, so dass das Kachel zählen nun wieder richtig Spaß macht.“ Heute spult sie pro Wassertraining mehrere Kilometer ab und tummelt sich fünf- bis sechsmal wöchentlich im Becken.

Auf die Trainingseinheiten im Wasser verlässt sich die Dortmunderin jedoch nicht alleine: „Zusätzlich zu den Zeiten im Wasser kommen noch Termine im Trockenen. Mindestens einmal pro Woche bin ich in der Turnhalle um Kraft- und Stabilisationstraining zu machen.“

„Als mir Corona einen Strich durch meine regelmäßigen Trainingstermine in der Schwimmhalle gemacht hat, hielt ich mich alternativ mit Joggen und Ergometertraining fit.“ erklärt Gallisch. Mittlerweile habe sie auch Spaß an diesen beiden Ausdauersportarten gefunden und es sei ihr problemlos möglich eine 10-km-Runde zu joggen sowie 40 km auf dem Fahrrad mit einem Durchschnitt von über 30 km/h zu absolvieren, ergänzt sie. Bei diesen Voraussetzungen auf das Thema „Triathlon“ angesprochen, lässt sich die ambitionierte Dortmunderin ein kleines Hintertürchen offen: „Das würde mich schon reizen. Allerdings fehlt es da noch an der Logistik. Ich habe kein Tandem, zudem ist es schwer Begleitläufer zu finden, mit denen man zuverlässig Trainingstermine planen kann. Dazu kommt, dass ich kein „Freiwassertyp“ bin. Ich mag es lieber meine Bahnen im Chlorwasser zu ziehen. Aber: Wer weiß, was die Zukunft noch so bringt“

Janine Gallisch im Schwimmbecken mit Siegerpose
Janine Gallisch im Schwimmbecken mit Siegerpose

Sportliche Leidenschaft verschiebt sich Richtung Schwimmen

Dass bei diesem Trainingspensum und der damit einhergehenden Leistungssteigerung der Schwimmsport die Nase vorne hat, liegt auf der Hand. (Mir macht der Torballsport immer noch riesig Spaß, allerdings bin ich nun an einem Punkt angekommen, wo ich mich entscheiden muss, was ich machen möchte. Entweder den Fokus auf Torball richten oder im Schwimmsport den nächsten Schritt zu tun. Da ich das Gefühl habe, im Schwimmen noch nicht an meiner Leistungsgrenze zu sein, verschiebt sich meine Priorität mehr und mehr Richtung Schwimmen.“ schaut Gallisch in ihre sportliche Zukunft.

Erste Schritte in diese Richtung hat sie bereits unternommen. Gallisch besitzt sowohl eine Startlizenz des Deutschen Schwimmverbandes (DSV), um gemeinsam mit nichtbehinderten Sportlern an den Start gehen zu können, als auch eine Startlizenz des Deutschen Behinderten Sportverbandes, um Wettkämpfe im Para Schwimmen bestreiten zu können. 

Die Erfolge der jüngeren Vergangenheit zeigen, dass sie die sportlichen Schwerpunkte richtig gewählt hat. Janine Gallisch hält aktuell in ihrer Startklasse die Deutschen Rekorde über 100 m Brust und Schmetterling und 200 m Brust und Schmetterling auf der Kurzbahn sowie die Deutschen Rekorde über 200 m Brust und Schmetterling auf der Langbahn.

Auch bei den Internationalen Deutschen Meisterschaften im Para Schwimmen (IDM) im Berlin 2019 und 2020 konnte die Dortmunderin vordere Plätze belegen und zeigen, dass sie auch international konkurrenzfähig ist.

Den nächsten Schritt machen

Momentan trainiert Gallisch beim TV Grüne Linde Dortmund und startet bei DSV-Wettkämpfen für die SG Dortmund. „Ich fühle mich beim TV Grüne Linde sehr wohl und freue mich hier weiterhin meine Heim-Trainingseinheiten absolvieren zu dürfen. Darüber hinaus werde ich bei Wettkämpfen auf DSV-Ebene weiter für die SG Dortmund antreten.

Den nächsten sportlichen Schritt machte sie Anfang 2020 in Richtung Norden. Gallisch entschied sich dafür sich auf DBS-Ebene Alstersport Hamburg anzuschließen. „Dieser Verein hat jahrelange Erfahrungen im Bereich Para Schwimmen. Aufgrund dessen finde ich dort gute Rahmenbedingungen vor, um mich sportlich weiter zu entwickeln.“ In Hamburg werde ein Landeskader Para Schwimmen aufgebaut und sie solle ein wichtiger Bestandteil dieses Landeskaders werden, erläutert sie ihre Entscheidung und ergänzt: „Ich hoffe, dass ich mich dort weiter verbessern kann. Wir werden voraussichtlich 10 bis 14 Lehrgänge pro Jahr abhalten. Ich bin mir sicher, dass ich von den Strukturen dieses Landeskaders profitieren und meine Zeiten weiter verbessern werde.“

Erste Anzeichen dafür waren bereits zu erkennen. Bei der diesjährigen Ausgabe 2020 der IDM ging Gallisch bereits für Alstersport Hamburg erfolgreich an den Start und wurde in der Gesamtwertung startklassenübergreifend Internationale Deutsche Vizemeisterin über 200 m Schmetterling.

Paralympische Ziele

Dass der Wechsel in den Landeskader Para Schwimmen nach Hamburg der nächste logische Schritt ist, zeigen die weitläufigen sportlichen Ziele von Janine Gallisch: „Für Tokyo 2021 wird es nicht mehr reichen. Leider finden in dieser Corona-Zeit keine Wettkämpfe statt, bei denen ich die Qualizeiten für die Paralympics noch schwimmen könnte. Mein Blick geht deshalb Richtung 2024. Ich hoffe, dass ich weiterhin fit bleibe und meine Zeiten soweit steigern kann, dass es für die Paralympicx in Paris reicht.“

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